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Hlib

Hlib

Vielseitiger Kämpfer der vordersten Reihe

Alter
35 Jahre
Herkunft
Bilhorod am Irpin
Stand
Freier Mann, Sohn eines Handwerksmeisters

Überblick

Vielseitiger Frontkämpfer, der besonders gut mit Schilden umgeht. Mit Schwert und schwerem Schild hält er zuverlässig seine Stellung. Streitkolben und mittlerer Schild erlauben ein offensiveres Vorgehen und brechen den gegnerischen Schutz leichter. Spezialisten sind ihm in ihrer Rolle überlegen, doch er füllt die Lücke im Trupp.

Geschichte

Hlib wuchs zwischen Schilden auf, lange bevor er auch nur einen davon in den Kampf trug.

In Bilhorod arbeitete sein Vater mit Holz: Wagenteile, Werkzeugstiele, Schilde für die Stadtwache. Die Metallteile bestellten sie beim Schmied, alles andere fertigten sie selbst — aus Holz, Leder und Riemen. Die Familie lebte bescheiden, aber gesichert. Hlib passte schon als Kind Griffe an, reparierte Schilde und wusste bereits als Jugendlicher, welcher Schaft beim ersten kräftigen Schlag brechen und welcher noch ein paar Jahre halten würde. Für das Kriegshandwerk interessierte er sich dabei kaum.

Alles änderte sich, als er sechzehn war. Ein Trupp des Fürsten zog durch die Stadt und brauchte dringend einige Dutzend neue Schilde und Ausbesserungen an seiner Ausrüstung. Die Krieger wohnten fast zwei Wochen lang neben der Werkstatt. Hlib half seinem Vater und sah die Gefolgsleute zum ersten Mal nicht bei einem feierlichen Einzug, sondern im Alltag: erschöpft, schmutzig, mit gerissenen Riemen, stumpfen Schwertern und alten Narben.

Ihn beeindruckte nicht, wie sie kämpften. Ihn beeindruckte, wie alltäglich das für sie war.

Einige Jahre später trat er der Stadtwache bei. Schnell zu lernen lag ihm nicht. Was er aber einmal gelernt hatte, vergaß er nicht mehr: Zeigte ihm ein Vorgesetzter, wie man den Schild hielt, hielt Hlib ihn am nächsten Tag richtig; gab er im Übungskampf seine Seite frei, dachte er beim nächsten Mal daran.

Das Schwert wählte er nicht aus Vorliebe, sondern weil es unter den verfügbaren Waffen am vielseitigsten war. Hlib betrachtet eine Waffe ohnehin nicht als Teil seiner selbst: Ein gutes Schwert ist ein Werkzeug, das seine Arbeit hinreichend zuverlässig verrichtet. Mit dem Streitkolben hält er es genauso.

Der Schild dagegen war für ihn nie nebensächlich. Meist entscheidet gerade der Schild, wie man kämpfen muss. Ein schwerer erlaubt es, einem Ansturm standzuhalten und einen Platz zu halten, von dem ein anderer längst zurückgewichen wäre — nur kostet jeder Schlag hinter ihm mehr Kraft, und man trifft schlechter. Ein mittlerer lässt der Waffe selbst mehr Freiheit: Die Schläge kosten weniger Kraft und sind genauer, dafür bietet er deutlich weniger Deckung. Muss Hlib also eine Stellung halten, nimmt er den schweren Schild und das Schwert; muss er selbst Druck machen, den Streitkolben und den mittleren Schild. Keine der beiden Möglichkeiten hält er für besser. Es sind einfach zwei Wege, dieselbe Arbeit zu erledigen.

Er trägt eine mittlere Rüstung, und auch das ist eine Entscheidung, kein Zufall. Eine schwere würde die zweite Art zu kämpfen sinnlos machen: Mit Streitkolben und mittlerem Schild geht es gerade darum, sich zu bewegen und Druck auszuüben. Ganz in Eisen würde Hlib nur zu einer langsameren Ausgabe seiner selbst mit schwerem Schild. Eine leichte würde der ersten Art nicht standhalten. Er braucht eine Ausrüstung, in der beides möglich bleibt — und ist lieber in beidem ein wenig schlechter als in einem gut und im anderen unbrauchbar.

Aus der Stadtwache holte man ihn in die kleine Gefolgschaft eines örtlichen Bojaren. Dort begannen die richtigen Kämpfe: Wagenzüge, Tributeinnehmer, Räuberbanden, Zusammenstöße zwischen kleinen Trupps. Hlib erwarb sich schnell den Ruf eines Mannes, den man an eine schwierige Stelle stellen konnte. Musste ein Tor gehalten werden, stellte man Hlib dorthin. Mussten unerfahrene Milizionäre geführt werden, schickte man Hlib. Entstand eine Lücke in der Formation, war er zur Stelle. Nach einem Sieg wurde sein Name selten als Erster genannt, doch seine Befehlshaber kannten ihn gut.

Besonderen Ehrgeiz hatte er nie. Er wollte keinen eigenen Trupp und träumte weder von Reichtum noch von Ruhm. Ihm gefiel etwas Einfaches, Überschaubares: Es gibt eine Aufgabe, es gibt Menschen an seiner Seite, jeder kennt seinen Platz, und gemeinsam tun sie, was getan werden muss.

Gerade deshalb traf ihn das, was ihn schließlich aus dem Dienst trieb, härter, als er zugeben will.

Der Trupp erhielt den Befehl, in ein Dorf zu ziehen, dessen Bewohner beschuldigt wurden, einen Teil des Tributs zu verbergen. Der Auftrag schien gewöhnlich: den Dorfältesten finden, das Geschuldete einziehen, einige Menschen zum Verhör bringen. Hlib sollte die Straße am Dorfausgang sperren und niemanden hinauslassen.

Er führte den Befehl aus. Was in der Dorfmitte geschah, sah er nicht — er hörte Schreie, sah Rauch und einige Menschen, die zu fliehen versuchten. Einen Mann schickte er unter Androhung seines Schwertes zurück. Auch eine Frau mit zwei Kindern ließ er nicht durch.

Später stellte sich heraus, dass die Suche nach verborgenem Besitz in eine Plünderung übergegangen war. Eines der Häuser war in Brand geraten. Mehrere Bauern waren geschlagen worden, zwei Menschen waren gestorben.

Hlib hatte niemanden getötet. Kein Feuer gelegt. Er war nicht einmal dort gewesen, wo die Gewalt begonnen hatte. Er hatte einfach auf der Straße gestanden und die Menschen nicht gehen lassen.

Der Befehlshaber sah darin nichts Außergewöhnliches: Der Trupp hatte einen Befehl gehabt, das Dorf war bestraft, ein Teil des Besitzes beschlagnahmt worden. Zwei Tage später verließ Hlib den Dienst.

Danach ließ er sich mehrere Jahre lang als Begleiter von Kaufleuten und kleinen Trupps anheuern und vermied es, dauerhaft einem einzigen Herrn zu dienen. Zum Gegner der Disziplin wurde er nicht, und er begann auch nicht, jeden Befehl für böse zu halten — im Gegenteil. Hlib ist noch immer überzeugt, dass ein bewaffneter Trupp ohne Disziplin sehr schnell zu einem Haufen Menschen mit Waffen wird. Nur hört er jetzt viel genauer hin, was man ihm eigentlich befiehlt.

Im Kampf ist er ruhig und berechenbar. Er jagt nicht dem schwächsten Feind nach, versucht nicht um jeden Preis den schwersten Treffer zu landen und setzt seine Stellung selten für ein schönes Manöver aufs Spiel. Sein Vorteil ist Verlässlichkeit. Er spürt gut, wann er wie eine Mauer stehen und dem Ansturm standhalten muss und wann Gegendruck nötig ist. Er kann mehrere Schläge einstecken, hält das aber nicht für einen Beweis von Tapferkeit.

Allein kämpft er nicht gern. Am wohlsten fühlt er sich, wenn er sieht, wer ihn links und rechts deckt und wohin ein Gefährte zurückweichen wird, falls es nicht gelingt.

Vor einigen Jahren diente er einen Winter lang im selben Trupp wie eine Speerkämpferin namens Melania, und sie kamen nicht miteinander aus. Melania misstraut fast instinktiv Menschen, die ihre Entscheidungen mit einem Befehl erklären, und Hlib war dafür ein lebendes Beispiel. Hlib sah in ihrer Geschichte die entgegengesetzte Gefahr: die Gewissheit, dass ein einzelner Mensch das Recht habe, für den ganzen Trupp zu entscheiden, wofür es sich zu sterben lohnt. Ihre Streitgespräche begannen mit einer konkreten Kampfsituation und handelten sehr bald nicht mehr vom Kampf. Sie gingen auseinander, ohne einander etwas bewiesen zu haben.

Mit Welemyr war es anders und schlimmer. Auch er hatte einen Rückzugsbefehl befolgt und hält den Befehl ebenfalls nicht für falsch. Der Unterschied ist, dass Welemyr danach seine Frau begrub und Hlib niemanden. Sie dienten einen ganzen Sommer zusammen und sprachen kein einziges Mal darüber. Beide wussten genau, worüber der andere schwieg.

Hlib ist weder schweigsam noch düster. Im Alltag ist er ruhig, freundlich und sogar ein wenig langweilig. Er arbeitet gern mit den Händen, repariert bereitwillig Kleinigkeiten und versteht nicht, warum man etwas wegwerfen sollte, das sich noch ausbessern lässt. Im Lager zieht er ständig etwas fest, schlägt etwas nach oder richtet es gerade; ein schlecht befestigter Riemen an jemand anderem ärgert ihn mehr als eine Beleidigung. Er trinkt wenig, liebt dafür aber lange Gespräche am Feuer. Menschen behält er gut im Gedächtnis, und Versprechen vergisst er fast nie. Als schlagfertig würde man ihn nicht bezeichnen, doch manchmal sagt er mit so trockener Stimme etwas derart Unsinniges, dass sein Gegenüber den Witz erst nach ein paar Sekunden versteht.

Verantwortung scheut er nicht, doch befehlen will er nicht. Macht man ihn zum Anführer, erfüllt er die Aufgabe gewissenhaft. Von sich aus bittet er nicht darum.

Er hat eine Schwäche: Er braucht klare Regeln mehr, als er es sich leisten kann. Ist eine Lage uneindeutig und gibt es keine richtige Entscheidung, kann Hlib zu viel Zeit damit verbringen, die Grenze zwischen dem zu suchen, was er tun muss, und dem, wofür er persönlich einzustehen bereit ist. Einst sagte er sich allzu leicht, er habe nur einen Befehl ausgeführt. Heute verfällt er manchmal ins andere Extrem und versucht, die Folgen jeder Entscheidung im Voraus abzusehen.

Er führte den Befehl aus, und er hatte das Recht, ihn auszuführen. Eines weiß Hlib bis heute nicht: Konnte man auf jener Straße stehen, ohne Teil dessen zu sein, was hinter dem eigenen Rücken geschah? Laut stellt er diese Frage nicht. Doch sie bestimmt weit mehr seiner Entscheidungen, als er zugeben will.