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Janka

Janka

Bewegliche Kämpferin, die Verwundeten den Rest gibt und ungeschützte Ziele angreift

Alter
24 Jahre
Herkunft
Kyjiw, Podil
Stand
Freie Frau aus den armen Schichten des Podil

Überblick

Schnelle Kämpferin mit Skramasax, besonders gefährlich für verwundete und ungeschützte Gegner. Mit einem mittleren Schild nähert sie sich frontal, bezahlt den Schutz aber mit Genauigkeit und Kraft. Ihre leichte Rüstung hilft ihr im langen Schlagabtausch wenig.

Geschichte

Janka wurde angeheuert, weil sie nicht wie eine Kämpferin aussah.

Viele hielten sie zunächst für die jüngere Verwandte eines Kaufmanns oder eine Magd beim Tross und bemerkten ihren Irrtum erst, als der Kampf schon begonnen hatte. Eine heimliche Mörderin war sie dabei nie: Anschleichen kann Janka sich nicht, im Dunkeln sieht sie nicht besser als andere, und Schlafende zu töten hat ihr schlicht niemand vorgeschlagen. Ihr Vorteil ist viel einfacher — im offenen Kampf handelt Janka schneller, als man es ihr zutraut.

Wohlstand hatte sie nie im Rücken. Ihre Mutter verkaufte auf dem Markt im Podil, was sie günstiger hatte einkaufen können: heute Fisch, morgen Garn, übermorgen nichts. Ihr Vater arbeitete als Lastträger bei fremden Wagen und war zu Hause nicht häufiger anzutreffen als fremde Leute. Sie bewohnten einen Winkel in einem fremden Haus über einer Schlucht, deren Hang jedes Frühjahr unterspült wurde. Janka war das jüngste von drei Kindern und begriff früh eine einfache Sache: Solange du auf der Straße bist, kostest du nichts. Höfe, Durchgänge zwischen den Anwesen, Lagerhäuser am Kai, billige Schenken und Stellen, an denen man schneller von einer Straße zur anderen kam als auf dem Hauptweg, kannte sie besser als viele Erwachsene.

Geld zählen lernte sie, bevor sie welches besaß, und bemerkte fast unfehlbar, wenn jemand sie beim Wechselgeld betrügen wollte. Feilschen mochte sie trotzdem nicht: Dauerte das Gespräch zu lange, nahm sie auch einen schlechteren Preis an, nur damit es endlich vorbei war. Auf dem Markt ließ man sie Waren tragen, einen Stand hüten und Besorgungen machen; von dort kannte sie die halbe Stadt.

Ihren ersten Skramasax bekam sie aus fremder Hand: eine billige gebrauchte Klinge mit abgeriebener Schmiedemarke, die ihr älterer Bruder einem Wachmann für einen halben Tag Arbeit abgetauscht hatte. Lange trug Janka ihn als Werkzeug: Sie schnitt Seile durch, öffnete Ballen, putzte Fische. Mit der kurzen Klinge zu kämpfen lernte sie viel später.

Mit siebzehn begann sie, häufig in einer Schenke im Podil einzukehren, in der Fuhrleute, angeheuerte Wächter und Lastträger zusammenkamen. Dort lernte sie Dobryn kennen — einen ehemaligen Gefolgsmann des Fürsten, der nun mit Söldnertrupps zog und zwischen den Feldzügen oft in Kyjiw blieb.

Dobryn brachte ihr keine ausgefeilten Techniken bei. Er wiederholte nur eines: Eine kurze Waffe verzeiht keine Unentschlossenheit. Wenn du jemandem mit Schwert, Axt oder Speer schon so nahe gekommen bist, bleibt keine Zeit mehr für einen schönen Kampf. Du musst vor ihm handeln.

Darin erwies sich Janka als sehr begabt. Kraft hatte sie wenig, und unter schwerer Ausrüstung fühlte sie sich eingesperrt. Ihre Schnelligkeit dagegen war ihr eigen, nicht erlernt: Janka hatte ein gutes Gespür für den richtigen Augenblick und erstarrte nach einer misslungenen Aktion fast nie. Kam der erste Schlag nicht durch, versuchte sie nicht, dieselbe Deckung mit Gewalt zu überwinden: Sie änderte den Winkel, machte noch einen Schritt, suchte eine andere Stelle. Und manchmal — einfach ein anderes Ziel.

Dobryn versuchte ihr lange zu erklären, dass Schnelligkeit nur so lange nützlich ist, wie man selbst entscheidet, wohin man sich bewegt. Janka merkte sich den Satz. Sich daran zu halten lernte sie weit weniger gut.

Später verdiente sie ihr Geld damit, kleinere Ladungen innerhalb von Kyjiw zu begleiten, dann auch kurze Wagenzüge zwischen benachbarten Städten. Bei einem Überfall begriff Janka zum ersten Mal auch die Schwäche dieses Stils. Einer der Angreifer war bereits von einem anderen Wächter verwundet worden; sie sah ihre Gelegenheit, stürmte vor und gab ihm schnell den Rest. Den nächsten verwundete sie, bevor er zuschlagen konnte, den dritten bemerkte sie nicht. Der Schlag traf ihre Seite und brach zwei Rippen. Hätte ein anderer Wächter nicht eingegriffen, wäre Janka höchstwahrscheinlich in ihrem ersten ernsthaften Gefecht gestorben.

Dieser Vorfall hätte sie vorsichtiger machen sollen. Das tat er. Nur nicht so sehr, wie die Menschen um sie herum es sich gewünscht hätten. Janka nahm eine leichte Rüstung: Nach den gebrochenen Rippen erschien es ihr dumm, ganz ohne Schutz loszuziehen. Eine schwere Rüstung probierte sie ebenfalls an, wollte aber nicht mit jedem Schritt dafür bezahlen. Sie braucht einen Schutz, in dem man es sich noch anders überlegen und in eine andere Richtung gehen kann.

Mit dem Schild haderte sie länger. Schließlich nahm sie einen mittleren — für die Fälle, in denen sie direkt auf die Waffe eines Gegners zugehen muss. Der Skramasax bleibt derselbe, doch hinter dem Schild fällt das Treffen schwerer, und jeder Schlag kostet mehr Kraft. Kann sie von der Seite herankommen, lässt Janka die Hand lieber frei. Dass der Schild nützlich ist, hat sie inzwischen eingesehen; dass sie ihn gerade braucht, muss man ihr jedes Mal noch beweisen.

Einige Jahre später traf Janka Dobryn wieder — diesmal mit einem verkrüppelten Bein. Über das Geschehene erzählte er wenig: Das Bein war ihm in einem Gefecht gebrochen worden, der Trupp war ohne ihn weitergezogen, und ihn hatte man in einem fremden Dorf zurückgelassen, mit einem Beutel Geld und einer Abmachung mit einer örtlichen Familie. Wer diese Entscheidung getroffen hatte, sagte Dobryn nicht, und Janka fragte nicht: Aus der Art, wie er nicht darüber sprach, war klar, dass es kein Feind gewesen war.

Janka weiß gut, dass sie nicht aushält, was ein schwer bewaffneter Krieger aushält. Sie hält keine Durchgänge, stellt sich nicht vor mehrere Gegner und mag keinen langen Schlagabtausch mit jemandem, der auf jeden ihrer Angriffe antworten kann. Selbst mit Schild sucht sie ständig eine Stelle, an die sie sich bewegen kann, damit der nächste Schlag ins Leere geht.

Genau deshalb sucht sie immer nach dem Moment, in dem der Gegner schon mit jemand anderem beschäftigt ist. Am liebsten ist ihr ein Feind, der nicht sie ansieht. Hat ein Gefährte den Gegner im Kampf gebunden, wendet dieser ihr die Seite zu, versucht ein Verwundeter sich zurückzuziehen oder steht ein Schütze ohne Deckung da — dann ist für Janka ihr Augenblick gekommen.

Gegen bereits geschwächte Gegner ist sie besonders gefährlich, und das nicht, weil ein Verwundeter leichter zu töten wäre. Etwas anderes ist ihr wichtiger: Ein verwundeter Mensch hat einen Teil seiner Entscheidungen schon getroffen. Er weicht zurück. Schützt die Wunde. Achtet auf den, der ihn verwundet hat. Das bedeutet, dass ihm weniger Aufmerksamkeit für Janka bleibt, und genau das genügt ihr oft. Ein Feind, von dem keine Gefahr mehr ausgeht, ist fast immer besser als zwei leicht verwundete. Deshalb wirken ihre Entscheidungen manchmal grausam. Janka sieht das nicht so: Ist jemand bereits in den Kampf eingetreten, wäre es ein seltsames Verständnis von Barmherzigkeit, ihn nur deshalb in Ruhe zu lassen, weil er verwundet ist.

Nach einigen Jahren als Begleitschutz von Wagenzügen schloss sie sich einer kleinen Söldnergruppe an und begann erstmals als vollwertige Kämpferin zu kämpfen, nicht als Wächterin, die auf das Ausbleiben eines Gefechts hofft. Der Trupp war gut, hielt aber nicht lange zusammen. Der Anführer mochte riskante Aufträge, weil sie mehr einbrachten, und Janka war das durchaus recht, solange alle das Risiko gemeinsam trugen.

Dann sollte der Trupp einen Kaufmann durch ein Gebiet begleiten, in dem eine große Räuberbande ihr Unwesen trieb. Der Anführer wusste von der Gefahr, verschwieg sie aber den meisten seiner Leute und handelte nur für sich und seine beiden engsten Gefährten doppelten Sold aus. Der Wagenzug wurde überfallen. Mehrere Menschen starben. Janka überlebte und erfuhr die Wahrheit erst nach ihrer Rückkehr.

Sie inszenierte keine Rache und versuchte nicht, den ehemaligen Anführer zu töten. Sie nahm einfach das Geld, das ihr zustand. Dann nahm sie noch einen Teil seines Geldes dazu. Als er sie aufhalten wollte, sagte Janka, er könne entweder mit dieser Summe einverstanden sein oder den anderen Söldnern erklären, wie viel er genau für ihr Leben bekommen hatte. Er war einverstanden.

Seither reagiert sie sehr schlecht auf Menschen, die ein Risiko vor denen verbergen, die es eingehen sollen. Eine Gefahr, von der sie weiß, macht ihr wenig Angst. Unerträglich ist für sie etwas anderes: wenn jemand für sie entschieden hat, dass sie es nicht wissen muss.

Mit Dswenyslawa hat sie sich deswegen bereits ernsthaft gestritten. Vor einigen Jahren begleiteten sie gemeinsam einen Wagenzug, und Dswenyslawa hielt die Nachricht zurück, dass die Straße vor ihnen bewacht wurde — sie hatte entschieden, dieses Wissen würde niemandem helfen. Janka erfuhr es mitten im Kampf. Dswenyslawa ist noch immer überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Janka fällt es viel leichter, eine schlechte Entscheidung zu verzeihen als eine, die jemand für sie getroffen hat.

Bei Hlib ist es umgekehrt: Er geht ihr seit der ersten Stunde auf die Nerven, und sie mag ihn schon seit Jahren. Er bewegt sich später, als sie es braucht, greift nicht die Ziele an, die sie für die wichtigsten hält, und gibt eine günstige Stellung nicht auf, nur weil sich ein Verwundeter rasch erledigen ließe. Janka nennt ihn einen Mann, der zuerst seinen eigenen Schild um Erlaubnis bittet. Trotzdem kämpft sie nirgends lieber als an Hlibs Seite, denn er gibt ihr, was ihr selbst fehlt: einen festen Punkt, um den herum sie etwas riskieren kann.

Im Alltag ist Janka laut, neugierig und lernt sehr leicht Menschen kennen. Sie kann sich neben einen Fremden setzen, nach zehn Minuten wissen, woher er kommt, und nach einer Stunde mit ihm streiten, als würden sie sich seit Jahren kennen. Wegen Kleinigkeiten kann sie nicht lange böse sein, schwere Kränkungen vergisst sie dagegen nicht. Sie liebt Glücksspiele, obwohl sie nur mittelmäßig spielt, und ist stets überzeugt, beim nächsten Mal ganz bestimmt zu erkennen, wann ihr Gegner blufft. Fast nie erkennt sie es. Geld gibt sie schnell aus — sie kann wochenlang an Kleinigkeiten sparen und dann an einem einzigen Abend etwas kaufen, das ihr einfach gefallen hat. Ihre Kampfausrüstung dagegen pflegt sie sehr sorgfältig: Die Waffe ist nicht die teuerste, aber immer scharf, die Scheide sitzt genau, und die leichte Rüstung passt so, dass sie im Kampf nicht daran denken muss.

Bei Wasylkiw ging sie dreimal auf denselben Speerkämpfer los. Beim ersten Mal wehrte er sie ab. Beim zweiten wehrte er sie ab und hätte sie beinahe erwischt. Beim dritten kam sie von einer anderen Seite und brachte es zu Ende; danach konnte sie einen halben Tag lang den Kopf nicht richtig drehen.

So hat sie es auch in Erinnerung: Es hat funktioniert. Den Unterschied zwischen dem eigenen Überleben und einer richtigen Entscheidung sieht Janka nicht — und sucht ihn auch nicht. Bisher hat dieser Unterschied sie zwei Rippen und einige Narben gekostet, und noch kein einziges Mal mehr.