
Sorjana
Bewegliche Kämpferin, Schwertkämpferin und Schleuderin
- Alter
- 32 Jahre
- Herkunft
- Rusaniw, ein großes Dorf an der Straße von Kyjiw nach Perejaslaw
- Stand
- Freie Frau, Tochter eines wohlhabenden Bauern
Überblick
Sehr bewegliche, vielseitige Kämpferin, die ihre Kampfweise leicht an die Lage anpasst. Mit dem Schwert kann sie zu einem Schützen durchbrechen oder sich von einem stärkeren Gegner lösen und zur Schleuder wechseln. Sie trägt jedoch keine Rüstung und verträgt direkte Treffer schlecht. In jeder einzelnen Rolle sind ihr Spezialisten überlegen.
Geschichte
Sorjana lehnte eine gute Heirat ab, und damit fing alles andere an.
Ihr vorgesehener Bräutigam war weder grausam noch arm. Rein praktisch war die Verbindung vorteilhaft, und gerade das machte ihre Ablehnung für die Familie so unverständlich. Es gab keine nächtliche Flucht und auch keinen Streit mit ihrem Vater: Sorjana sagte einfach vor allen, sie habe nicht vor, ihr ganzes Leben auf einem fremden Hof zu verbringen, nur weil das für alle anderen eine vernünftige Entscheidung sei. Sie war dreiundzwanzig.
Rusaniw lag eine Tagesreise von Kyjiw entfernt an der Straße nach Perejaslaw, und Sorjanas Familie gehörte dort zu denen, bei denen man sich Geld lieh, nicht zu denen, die es leihen mussten. Ihr Vater besaß mehrere Landstücke, Pferde und Vieh; zum Adel gehörten sie nicht, doch sie lebten deutlich besser als ihre Nachbarn. Sorjana war das jüngste Kind und die einzige Tochter. Während ihre drei Brüder mit dem Vater auf dem Feld arbeiteten, vertraute man ihr häufiger das Vieh an — und das bedeutete, den ganzen Tag fern von zu Hause Schafe von einer Weide zur nächsten zu treiben.
Damals lernte sie, mit der Schleuder umzugehen. Zuerst war sie ein Kinderspielzeug, dann ein gewöhnliches Arbeitsgerät: Mit einem Stein lässt sich ein Hund vertreiben, ein Fuchs erschrecken, ein Vogel herunterholen oder ein fremdes Pferd zum Abdrehen bringen, ohne sich ihm zu nähern. Sorjana lernte schnell, besser zu treffen als ihre Brüder. Und noch schneller begriff sie, dass ihnen das nicht gefiel.
Das Schwert kam viel später hinzu. Eine Wächterin namens Schdana, die Kaufmannszüge begleitete, übernachtete mehrmals im Jahr auf ihrem Hof. Als sie sah, wie Sorjana mit einem Holzstock gegen ihren Bruder übte, zeigte sie ihr zum Spaß ein paar einfache Bewegungen. Beim nächsten Mal bat Sorjana sie, ihr mehr zu zeigen. So ging es einige Jahre lang.
Schdana versuchte nicht, aus ihr eine Berufsschwertkämpferin zu machen. Sie zeigte ihr, was sie für einen Menschen nützlich fand, der eines Tages in Gefahr geraten könnte: wie man Abstand hält, die Stellung von Schultern und Beinen liest, wann man zurückweicht und wann man selbst die Entfernung verkürzt. Am besten gefiel Sorjana nicht der Umgang mit dem Schwert, sondern der Gedanke, dass unterschiedliche Gegner unterschiedliche Antworten verlangen. Gegen einen stärkeren Menschen muss man nicht beweisen, dass man stärker ist. Gegen einen schnelleren muss man nicht unbedingt schneller laufen. Man muss herausfinden, was dem Gegner schwerfällt. Dieser Gedanke blieb ihr viel länger im Gedächtnis als jeder einzelne Griff.
Die Familie billigte ihre Übungen nicht, verbot sie aber auch nicht: Ihr Vater war überzeugt, das werde sich mit der Zeit legen. Das tat es nicht.
Nachdem sie die Heirat abgelehnt hatte, verließ sie zum ersten Mal wirklich ihr Zuhause. Zunächst schloss sie sich einem Wagenzug nach Kyjiw an — als einfache Helferin, nicht als angeheuerte Wächterin. In Kyjiw verbrachte sie über ein Jahr, arbeitete auf dem Anwesen eines Kaufmanns, half einige Monate in einer Schenke und zog dann wieder mit Wagenzügen weiter. Damals erlebte sie auch ihren ersten richtigen Kampf: Räuber griffen den Wagenzug auf der Straße an, einer der Wächter starb fast sofort, und Sorjana warf zunächst Steine aus der Deckung eines Wagenrads. Als ein Angreifer zu nahe kam, nahm sie das Schwert des Toten. Später konnte sie sich kaum erinnern, was genau sie getan hatte. Das Schwert aber behielt sie.
In den folgenden Jahren ging sie allmählich von Gelegenheitsarbeiten dazu über, regelmäßig Wagenzüge zu begleiten. Dort entwickelte sich ihre Art zu kämpfen. Sie hatte nur einen Vorteil, doch der war selten: Sorjana begriff sehr schnell, auf welche Art von Kampf sie sich nicht einlassen sollte.
Steht ihr ein Schütze gegenüber, verkürzt sie die Entfernung und zwingt ihn, zu einer Waffe zu greifen, die er weniger gut beherrscht. Ist der Gegner im Nahkampf stärker, macht sie das Gegenteil: Sie weicht zurück, holt die Schleuder hervor und zwingt nun ihn, sich zu bewegen. Hat der Feind einen günstigen Platz besetzt, versucht sie nicht unbedingt, ihn von dort zu vertreiben — manchmal ist es einfacher, dorthin zu gehen, wo sein Vorteil nichts bedeutet. Aus demselben Grund nahm sie einen mittleren Schild. Ein schwerer hätte sie beim Herankommen zuverlässiger geschützt — für sie der gefährlichste Teil des Kampfes —, doch danach wäre ihr jeder Hieb schwerer gefallen. Und sie stürmt gerade deshalb vor, weil es ihr um das geht, was danach beginnt. Sorjana gibt einen Teil ihres Schutzes für die Freiheit auf, den Kampf auf ihre eigene Art fortzusetzen.
Sie trägt keine Rüstung, und das ist schon lange keine Geldfrage mehr. Anfangs fehlte tatsächlich das Geld: Sorjana begann als Helferin beim Wagenzug, nicht als angeheuerte Wächterin, und niemand gab ihr etwas aus Eisen mit. Später hatte sie das Geld, aber nicht den Wunsch danach. Alles andere an ihrer Ausrüstung lässt sich mitten im Kampf wechseln: das Schwert weglegen, die Schleuder hervorholen, den Schild senken, den Platz verlassen. Die Rüstung nicht — man zieht sie morgens an und lebt den ganzen Tag mit ihr, und sie entscheidet im Voraus, welche Art von Kampf man führen wird. Einmal kam Sorjana beinahe umsonst an eine gute Rüstung. Sie trug sie zwei Wochen lang und verkaufte sie dann mit einer knappen Erklärung: In der Rüstung war sie zweimal an einem Ort geblieben, den sie früher verlassen hätte.
Einen Widerspruch sieht sie darin nicht. Schwert und Schleuder sind für sie keine zwei verschiedenen Handwerke, zwischen denen man sich entscheiden muss, sondern zwei Werkzeuge: Ist das eine gerade unpraktisch, nimmt man das andere. Deshalb fällt es ihr schwer, Menschen zu verstehen, die allzu stolz darauf sind, wie genau sie kämpfen. Sie kann einen guten Schwertkämpfer, einen guten Bogenschützen oder einen starken Schildkämpfer achten — aber sie versteht nicht, warum jemand weiter das tut, was er am besten kann, wenn es ihm gerade keinen Vorteil bringt.
In ihren Jahren bei den Wagenzügen war Sorjana auf vielen Straßen unterwegs, kam in mehrere Städte und Dutzende kleiner Siedlungen. Manche Trupps verließ sie nach einem einzigen Zug, bei anderen blieb sie Monate. Einmal war sie fast zwei Jahre mit derselben Gruppe von Kaufleuten zwischen Kyjiw, Perejaslaw und Tschernihiw unterwegs — und damals hatte sie zum ersten Mal das Gefühl, sich eine richtige Wächterin nennen zu können, statt nur eine zufällige Helferin beim Wagenzug. Man kannte sie als jemanden ohne eine klar erkennbare Spezialisierung, der dafür fast immer einen Weg fand, sich nützlich zu machen. Manchmal bestand ihre Aufgabe nicht darin, den größten Schaden anzurichten, sondern einfach schnell dort zu sein, wo wenige Minuten zuvor noch niemand gewesen war. Genau das gefiel ihr am meisten.
Im Kampf ist sie fast ständig in Bewegung. Nicht unbedingt über große Entfernungen: Manchmal genügt ein Schritt, um den Angriffswinkel zu verändern; zwei, damit der Gegner kein bequemes Ziel mehr hat; ein paar mehr, damit ein Schütze, der sich eben noch sicher gefühlt hat, plötzlich ein Schwert vor sich sieht. Eine Stellung ist für sie kein Ort, den man halten muss. Eine gute Stellung ist für Sorjana ein Ort, der gerade nützlich ist; eine Minute später kann das ein ganz anderer sein.
Mit Ljubawa scheint sie viel gemeinsam zu haben: Beide bewegen sich viel, beide halten nicht an einem einzigen Platz fest. Ihre Gründe unterscheiden sich, und Sorjana begriff das nicht sofort. Ljubawa bewegt sich, damit der Feind keinen günstigen Angriff gegen sie ansetzen kann. Sorjana bewegt sich, um selbst einen günstigeren zu finden. Die eine weicht der Gefahr aus, die andere geht auf eine Gelegenheit zu, und an einem schlechten Tag sieht beides genau gleich aus.
Undiszipliniert macht sie das nicht. Lautet der Befehl, das Tor zu halten, wird Sorjana das Tor halten. Lautet er aber „Lass den Feind nicht durch“, glaubt sie keineswegs, dafür unbedingt bis zum Ende des Kampfes an derselben Stelle stehen zu müssen.
Einen Winter verbrachte sie in einem Trupp, dessen leitender Schütze ein älterer Mann namens Radowan war. Vor jedem Aufbruch wollte er wissen, was zu tun sei, wenn das Eis nicht trüge, wenn der Führer löge, wenn der zweite Trupp nicht rechtzeitig käme. Sorjana fand das ermüdend: Die meisten dieser Übel würden entweder gar nicht eintreten oder sich lösen lassen, sobald sie einträten. Radowan erwiderte, einen Ausweg bereite man im Voraus vor, statt ihn erst zu finden. Damals lachte sie. Heute kommt Sorjana, wenn sie einen Platz verlässt, den jemand als Teil des Plans betrachtet hat, manchmal noch der Gedanke, ob sie nicht einfach eine Lücke hinterlässt — und wie früher denkt sie schon im Laufen darüber nach.
Weniger beweglich hat sie das nicht gemacht. Nur ein wenig weniger sorglos.
Im Alltag ist Sorjana gesellig und fühlt sich unter Fremden schnell wohl. Sie fragt Menschen gern nach Orten, an denen sie noch nicht gewesen ist, interessiert sich für Handelswege, Städte und fremde Bräuche. Stundenlang kann sie einer Erzählung über eine Stadt zuhören, die sie nie gesehen hat, und am nächsten Morgen schon fragen, wie viele Tagesreisen es bis dorthin sind. An einem neuen Ort findet sie sich schnell zurecht: Sie weiß bald, wo man Essen kauft, wer den örtlichen Weg kennt, an wen man sich besser nicht wendet und wann man weiterziehen sollte. In fast zehn Jahren eines selbstständigen Lebens hat sie gelernt, sich so leicht in eine neue Umgebung einzufügen, dass sie manchmal selbst nicht merkt, wie ungewöhnlich das für andere ist.
Über ihre eigene Familie spricht Sorjana viel seltener — nicht aus Scham. Im Gegenteil. Sie weiß genau, dass sie zurückkehren könnte: Ihr Vater wäre höchstwahrscheinlich nicht mehr so zornig, ihre Brüder würden sie immer noch aufziehen, ihre Mutter würde weinen, aber die Tür steht ihr offen. In diesen Jahren war sie mehrmals zu Hause, zunächst nur kurz, später blieb sie länger. Eine Rückkehr betrachtet sie nicht mehr als Niederlage. Für immer bleiben kann sie trotzdem nicht: Allein die Möglichkeit, gehen zu können, bedeutet ihr noch immer zu viel.
Ihre Sachen sind immer gepackt. Nicht weil sie mit einem Angriff rechnet — so fühlt sie sich einfach ruhiger. Wenn im Gespräch die Frage aufkommt, ob sie bleibt oder geht, ist Sorjana schon seit einem halben Tag bereit zum Aufbruch und merkt es als Letzte. Im Kampf rettet ihr dieselbe Begabung oft das Leben: Funktioniert ein Weg nicht, versucht sie einen anderen; ist die Stellung schlecht geworden, wechselt sie sie; hat der Feind einen Vorteil gewonnen, sucht sie einen Ort, an dem er ihn verliert. Außerhalb des Kampfes funktioniert derselbe Ansatz viel schlechter. Eine unangenehme Arbeit kann man wechseln. Ein schlechtes Dienstverhältnis kann man beenden. Einen unbequemen Ort verlassen. Früher setzte Sorjana ebenso leicht Menschen auf diese Liste.
Heute nicht mehr ganz so leicht. In den Jahren auf der Straße hat sie mehrmals begriffen, dass manche Dinge nicht deshalb schwer werden, weil sie aufgehört haben, richtig zu sein. Sie ist noch immer überzeugt, dass ein Mensch nicht zulassen darf, dass Umstände oder die Entscheidungen anderer sein ganzes Leben bestimmen — nur weiß sie inzwischen, was diese Überzeugung kostet. Ihre Tür steht noch immer offen, während die meisten Menschen, mit denen sie das Feuer teilt, überhaupt kein Zuhause haben. Sorjana versucht, das nicht laut auszusprechen.